Aus der Fokus 2025 – Reihe: DAS KANN MAN(N) GLAUBEN
Es war Dezember und einer dieser Tage, die ich so gar nicht mag: dunkel und nasskalt. Ich stand am Fenster und beobachtete, wie Regentropfen die Scheibe hinunterliefen. Nicht weit weg von unserem Haus sah ich die Weihnachtsdeko in der Fußgängerzone leuchten. Der Blick auf die Uhr verriet, dass es erst früher Abend war. Und dennoch: Ich hätte so ins Bett kriechen und mich in meine Decke einkuscheln können. Schon der ganze Tag war trüb und grau gewesen, genau wie die Tage zuvor auch.
Mir ging es nicht gut. Viele Gedanken beschäftigten mich, nicht alles im Leben lief gerade positiv. Einiges forderte mich auch in meiner Spiritualität, in meinem Glauben, heraus. Eine dieser Zeiten, in denen Zweifel und Fragen aufkommen. Weihnachten zog irgendwie an mir vorbei; damit konnte ich dieses Mal gar nichts anfangen. Zumindest nicht mit den „süßen Glöckchen“ und den „goldenen Löckchen“ des angeblich lächelnden Knaben im gelben Stroh.
zu glauben ist für männer schwer
Gespräche mit anderen Männern machten offensichtlich, dass ich mit diesen Gedanken und Empfindungen nicht alleine war. Viele können mit den eigentlichen Inhalten der Feste und damit auch mit den Festen an sich nichts (mehr) anfangen. Die Gründe dafür mögen unterschiedlich sein, aber eines wurde mir klar: Glaube(n) ist für Männer in unserem heutigen Alltag, ganz allgemein gesprochen, schwer und auch nicht mehr zeitgemäß. Glaube(n) gilt als uncool, gar überflüssig. Wenig differenziert werden dabei Kirche, Religion, christliche Werte und religiöse Feiertage in einen Topf geschmissen und ausgekippt: „Brauch ich nicht, will ich nicht.“
Verständlich einerseits, wenn man(n) sich ansieht, wie wenig auf unsere Bedürfnisse und unsere Natur dabei eingegangen wird. Ebenso verständlich, wenn alles in so muffigem, altem Gewand daherkommt und scheinbar nichts mit mir und meinem Alltag zu tun hat. Die scheinbar allgemeine Meinung: Kirche ist nicht attraktiv. Glaube ist überholt, altbacken, verzichtbar. Das Lebensnahe, das, was Spaß macht und uns anspricht, findet, wenn überhaupt, definitiv außerhalb von Kirche und Religion statt.
Andererseits unverständlich, schließlich bestimmen die christlichen Feiertage bis heute wesentlich unsere arbeitsfreien Feiertage und sorgen für gern gesehene Auszeiten vom Alltag. Also doch nicht verzichtbar? Die bisherige Lösung: den Nutzen vom Inhalt trennen. So bekommen wir beides: freie Tage und Freiheit von religiösem Inhalt.
Neue Trenderhebungen zeigen aber auch, dass viele von uns, vielleicht sogar die Mehrheit, gar nicht mehr wissen, was sich überhaupt hinter den Tagen verbirgt. Dem möchte ich bewusst entgegenwirken, weil ich den Inhalt wichtig finde, insbesondere in einer Welt und einer Zeit, in der viele Männer immer mehr nach Orientierung, Sicherheit und Halt suchen. Im Alltag finden sie diese immer weniger.
vier aspekte von „das kann man(n) glauben?“
Dabei versuche ich, die Inhalte von deren Umsetzung in den gängigen kirchlichen Kontexten zu befreien. Es geht um das, was diese Feste bedeutsam macht – für mich als Mann im Alltag. Die Art und Weise, wie sie zelebriert werden, ist ja oft das, was uns nicht mehr abholt, vielleicht sogar abschreckt. Und genau darum geht es am wenigsten, sogar gar nicht. In diesem Sinne: „DAS kann man(n) glauben.“
„Das KANN man(n) glauben.“ Ich schreibe von meinen Erfahrungen, und ich teile mein Wissen. Mehr nicht, weniger auch nicht. An keiner Stelle werde ich behaupten, dass jemand das genauso sehen muss oder soll. Dinge zu glauben, ist immer eine freiwillige Sache. Ich kann glauben, dass die Präsenz von bestimmten Steinen im Zimmer meinen Schlaf positiv beeinflusst. Muss ich aber nicht, tue ich auch nicht. Andere schon, weil sie davon überzeugt sind.
Und ich schreibe als Mann für andere Männer. Ich empfinde die Feste anders als beispielsweise meine Frau oder meine Töchter, sowohl die Form als auch teilweise die Inhalte. Meine eigene Erfahrung zeigt mir, dass mich die Art, wie die Feste heute gerne zelebriert werden, nur in Teilen abholt. Ich würde einiges gerne anders machen. Oft fehlen mir dazu aber die Möglichkeiten, manchmal auch die Ideen. Deswegen: „Das kann MANN glauben.“ Vielleicht würde es uns leichter fallen, manches zu glauben – zumindest interessiert hinzusehen, wenn alleine schon die Verpackung eine andere wäre?!
„Das kann man(n) GLAUBEN.“ Glauben tun wir alle irgendetwas und nahezu immer. Ich wage zu behaupten, dass unser aller Leben in vielen Aspekten auf irgendeiner Annahme – einem Glauben – beruhen. „Ich glaube, wir sollten das soundso machen.“ „Ich glaube, das funktioniert nicht.“ „Ich glaube, das wird gut.“ „Ich glaube, der hat Recht.“ „Das glaube ich nicht.“ …
glaube und wissen – ein spannendes spannungsfeld
Glauben bedeutet etwas nicht zu wissen. Meine Erfahrung ist, dass, sobald es um Kirche, Religion und die Bibel geht, Glaube schnell abgewertet, belächelt oder als dumm betrachtet wird. Meistens, ohne dass überhaupt ausreichend Wissen und Information dazu vorhanden wäre. Eher aus der Haltung heraus: „Damit will ich mich gar nicht weiter auseinandersetzen.“ Und genau da wird es für mich interessant, sogar spannend: Im Spannungsfeld Glaube – Wissen.
Damals, im Dezember am Fenster, zog Weihnachten irgendwie an mir vorbei. Süße Glöckchen, beleuchtete Weihnachtsmänner und andere Figuren, niedliche, fast idyllisch wirkende Krippenszenen – ich konnte damit nichts anfangen. Es war die Form, die mich irritierte, mich kalt ließ. Nicht der Inhalt. Die Idee von „Das kann man(n) glauben?“ war geboren …